Abstillen läuft bei jedem Kind anders. Bei manchen ist es ein kurzer Prozess, bei anderen zieht er sich über Wochen. Unsere beiden Söhne haben die Stilleinheiten tagsüber selbst reduziert, bis nur noch das nächtliche Stillen übrig war – allerdings eher als Dauernuckeln denn als entspannte Mahlzeit. Unseren ersten Sohn habe ich 12 Monate gestillt, unseren zweiten fast 14, bevor wir jeweils auch das nächtliche Stillen beendet haben.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Unsere Methode brauchte bei beiden Kindern nur 3 Nächte.
- Als Alternative zum Stillen haben wir bewusst nur Wasser angeboten, keine Milch.
- Die erste Nacht war die härteste, ab der zweiten wurde es spürbar leichter.
- Milchstau in den ersten Tagen danach ist normal – wir sagen dir, was geholfen hat.
- Abruptes Abstillen ist praktisch, aber schonender für die Brust ist ein schrittweiser Weg.
Wie kann ich mein Baby abstillen?
Für uns war wichtig, dass ich als Mutter selbst für mein Kind da bin, wenn es traurig oder wütend über das Ende der Stillbeziehung ist – die Nachtschicht komplett dem Papa zu übergeben oder das Kind bei den Großeltern schlafen zu lassen, war für uns keine Option. Die Antwort auf das “Wie” war bei uns simpel: von jetzt auf gleich nicht mehr stillen. Nicht zum Einschlafen, nicht beim ersten nächtlichen Aufwachen, zu keinem anderen Zeitpunkt.
Natürlich war mein Kind traurig, hat geweint und protestiert. Ich war trotzdem jederzeit für ihn da: getröstet, herumgetragen, Wasser und Schnuller angeboten. Wir haben die Trauer gemeinsam ausgehalten. Gegen den frühen Morgen hatte sich mein Sohn mit der Situation arrangiert. Die erste Nacht war bei beiden Kindern wirklich nicht leicht – am liebsten hätte ich manchmal mitgeweint. Aber es hat sich gelohnt, durchzuhalten.
Die zweite Nacht war schon deutlich entspannter: Beide Kinder haben der Brust nicht mehr nachgetrauert, wurden aber noch wach. Als ich Wasser angeboten habe, haben sie einen großen Schluck getrunken und sind kurz danach auf meinem Arm wieder eingeschlafen. In der dritten Nacht war das Stillen dann tatsächlich kein Thema mehr – wach gewordene Kinder ließen sich von mir oder meinem Mann problemlos zurück in den Schlaf wiegen.
Wichtig dabei: Das nächtliche Aufwachen selbst hört durchs Abstillen nicht automatisch auf, es ist ein eigenes Thema. Wie sich das unabhängig vom Stillen verbessern lässt, steht in unserem Artikel Wenn dein Baby nicht schläft.
Wohin mit der Milch?
Das Kind von der Muttermilch zu entwöhnen ist der eine Prozess – die Milchproduktion selbst zurückzufahren ein ganz anderes, und ehrlich gesagt tat es auch etwas weh. Meine Brust war in den ersten drei bis vier Tagen extrem voll, schwer und schon bei leichter Berührung schmerzhaft.
Was geholfen hat:
- Ab der ersten Nacht einen festen Sport-BH und Heilwolle zur Umhüllung der Brust.
- Morgens unter der warmen Dusche die Brust sanft ausstreichen, um kleine Milchstaus frühzeitig zu lösen.
- Bei starkem Druckgefühl wenig abpumpen – nur 30–40 ml, um Schmerzen zu lindern, ohne die Produktion neu anzuregen.
- Salbei- und Pfefferminztee als Hausmittel zur Unterstützung der Milchreduzierung.
Ab dem fünften Tag war meine Brust deutlich weniger schmerzempfindlich, die Produktion ging spürbar zurück. Nach etwa einer Woche tropfte nachts noch eine wässrige Flüssigkeit, bevor sich die Brust vollständig entspannte.
Willensstärke war für uns ein wichtiger Baustein – trotzdem gilt: für dein Kind da sein und es beim Abstillen begleiten bleibt wichtiger als jede Methode. Und ein Gedanke, der uns geholfen hat: Es ist deine Entscheidung, nicht die deines Kindes – entsprechend viel Geduld darfst du dir und ihm dafür zugestehen.
Häufige Fragen
Ist abruptes Abstillen riskanter als schrittweises Reduzieren?
Für die Brust ja, etwas – ein plötzlicher Stopp erhöht das Risiko für Milchstau und in der Folge für eine Brustentzündung, weil die Produktion nicht graduell heruntergefahren wird. Schrittweises Abstillen über mehrere Wochen ist aus dieser Sicht schonender. Trotzdem entscheiden sich viele Mütter aus praktischen Gründen für den schnelleren Weg – dann hilft es, Anzeichen für Milchstau zu kennen und früh zu reagieren.
Wie lange dauert es, bis die Milchproduktion nach dem Abstillen ganz versiegt?
Meist etwa 1 bis 2 Wochen bis zum spürbaren Rückgang, ganz versiegt sie oft erst nach mehreren Wochen bis Monaten – kleine Mengen können vereinzelt sogar noch länger auftreten. Das ist normal und kein Grund zur Sorge, solange keine Schmerzen oder Entzündungszeichen dazukommen.
Sollte ich beim Abstillen auf Premilch als Ersatz umsteigen?
Nach dem ersten Lebensjahr ist das in der Regel nicht mehr nötig – Kuhmilch oder Wasser reichen als Getränk, sofern dein Kind sich altersgerecht ausgewogen ernährt. Ein Wechsel auf Flaschennahrung kann sogar dazu führen, dass sich die nächtliche Trinkgewohnheit nur verlagert statt aufgelöst wird.
Was tun bei schmerzhaftem Milchstau während des Abstillens?
Sanftes Ausstreichen unter der warmen Dusche, kühlende Umschläge zwischen den Mahlzeiten und bei Bedarf minimales Abpumpen zur Schmerzlinderung – nur so viel, dass die Produktion nicht erneut angeregt wird. Bei Fieber, einer geröteten, überwärmten Stelle oder Schmerzen, die nicht innerhalb von 1–2 Tagen besser werden, gehört das ärztlich abgeklärt, da sich daraus eine Brustentzündung entwickeln kann. Mehr dazu in unserem Artikel zu [Milchstau: Tipps und Erfahrungen](/aua-milchstau-tipps-behandlung-erfahrung/).
Ist es normal, dass mein Kind nach dem Abstillen trotzdem noch nachts aufwacht?
Ja, das ist ein häufiges Missverständnis. Abstillen beendet das Stillen, aber nicht automatisch das nächtliche Aufwachen – das hängt eher mit dem allgemeinen Schlafverhalten zusammen. Unterstützung dabei findest du in unserem Artikel [Wenn dein Baby nicht schläft](/baby-schlaeft-nicht-ursachen-was-uns-sehr-geholfen-hat/).



