Urlaub war für uns immer dasselbe Programm: Hotel suchen, buchen, vorfreuen. Dann zehn Tage Sonne, Strand, Buffet und möglichst viele Nickerchen zu möglichst beliebigen Tageszeiten. Ein gutes Buch dazu, fertig.
Dann kam unser Sohn, und im Mai darauf standen wir mit 14 Monaten Kind, einem Handgepäck-Trolley voller Windeln und ziemlich vielen Fragezeichen am Flughafen Richtung Mallorca.
Was sich geändert hat, was gut lief und was wir beim nächsten Mal anders gemacht haben – das steht hier.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Kurze Anreise schlägt perfektes Ziel. Zweieinhalb Stunden Flug waren genau richtig.
- Vorsaison ist besser als Hochsaison – mildere Sonne, weniger Menschen, günstiger.
- Der Tagesablauf dreht sich um den Mittagsschlaf, nicht um die schönste Strandzeit.
- Packt für den Strand, nicht fürs Hotel. Der Weg zurück ist immer weiter, als man denkt.
- Alles Wichtige ins Handgepäck. Windeln, Medikamente, Wechselsachen.
Kofferpacken wird zur Disziplin
Der Tag vor der Abreise stand vollständig im Zeichen des Packens. Allein der Windelvorrat nahm fast den gesamten Handgepäck-Trolley ein. Dazu Mittagsgläschen, Spielzeug fürs Zimmer, Spielzeug für den Strand, die Reiseapotheke und ein Stapel Wechselklamotten.
Und unsere eigenen Sachen? Gute Frage.
Die Medaille hat allerdings eine zweite Seite: Wir waren zum ersten Mal gezwungen, wirklich nur so viele T-Shirts einzupacken, wie wir brauchen würden. Seitdem packen wir generell minimalistischer, auch ohne Kind.
Was sich im Urlaub mit Kind ändert
Auf Mallorca ist im Mai Vorsaison. Die Sonne ist noch nicht so stark – für Kinderhaut ideal, denn die ist deutlich empfindlicher als unsere. Worauf du beim Thema Sonne achten solltest, steht ausführlich im Sonnenschutz für Kinder.
Was wir nicht einkalkuliert hatten: Die Pools auf Mallorca sind meist nicht beheizt. Bei Nachttemperaturen um zehn Grad war das Wasser auch mittags noch frisch. Das Meer fühlte sich an wie die Nordsee im August, also eisig.
War aber nicht schlimm, weil sich die Prioritäten ohnehin verschoben hatten. Wichtiger als das Nickerchen in der Sonne war die gemeinsame Zeit.
Die Strand-Packliste
Früher: ein Handtuch und Sonnencreme. Jetzt:
- Windeln und Feuchttücher
- Strandmuschel oder Sonnenschirm
- Sonnencreme für Baby und Erwachsene
- UV-Shirt und Hut mit Nackenschutz
- Gläschen, Obst, Trinkbecher
- Schnuller in einer verschließbaren Dose
- Sandspielzeug
- Kinderwagen
Schwer beladen wie Packesel ging es täglich zum Strand. Das war neu.
Burgen bauen statt Nickerchen
Am Strand angekommen: nix mit Buch. Unser Sohn wollte beschäftigt werden.
Wir formten unzählige Eiskugeln aus Sand, gruben Löcher, bis wir auf Wasser stießen, und verzierten sie mit Türmen in Eimerform. Je mehr Übung wir bekamen, desto prunkvoller wurden die Bauten – Burggraben, Muschelwall, alles dabei.
Unser Sohn freute sich sehr über die Kunstwerke. Noch mehr Freude machte es ihm allerdings, sie umgehend wieder zu zerstören.
Zur Mittagszeit fragten wir in einem Restaurant, ob sie uns das mitgebrachte Gläschen aufwärmen könnten. Das war nie ein Problem, und niemand hat dafür eine Bestellung verlangt.
Nach dem Essen war Zeit fürs Nickerchen – für ihn und für uns. Als unser Sohn plötzlich über zwei Stunden am Stück in der Strandmuschel schlief, verstanden wir, warum auf Entspannungs-CDs früher immer Meeresrauschen zu finden war. Nicht einmal die Ananaaaaaaas-Coconuuuut-Bananaaaaa-Verkäufer haben ihn geweckt.
Was wir mitnehmen würden
Drei Dinge haben sich bei uns über mehrere Urlaube durchgesetzt. Preise ändern sich ständig, deshalb verlinken wir hier auf die Produktsuche statt einen Betrag zu nennen, der nächste Woche falsch ist.
So kommt unsere Einschätzung zustande: Wir werten Herstellerangaben und öffentlich zugängliche Kundenrezensionen aus und gleichen sie mit eigener Erfahrung aus unserem Familienalltag ab, statt jedes Produkt selbst zu testen. Wo wir etwas tatsächlich selbst genutzt haben, kennzeichnen wir das im Artikel gesondert.
Pop-up-Zelt mit Boden und UV-Beschichtung. Schattenplatz, Windschutz und Schlafplatz in einem – der Gegenstand, der aus einem Strandtag mit Baby überhaupt erst einen entspannten Tag macht.
- Schatten auch dann, wenn die Sonne wandert und der Schirm nicht mehr trifft
- Boden hält Sand halbwegs draußen
- Windgeschützt – das Wichtigste am Nordsee- oder Vorsaison-Strand
- Unser Sohn hat darin zwei Stunden am Stück geschlafen
- Pop-up-Modelle wieder zusammenzufalten ist eine eigene Wissenschaft
- Ohne Heringe hebt sie bei Wind ab
- Innen wird es in der Mittagshitze trotz UV-Schutz warm
Wenn du nur eine Sache für den Strandurlaub mit Baby kaufst, dann diese. Achte auf einen ausgewiesenen UPF-50+-Stoff und darauf, dass Heringe dabei sind.
Leichter Buggy, der zusammengefaltet in die meisten Handgepäckmaße passt und sich flach stellen lässt. Damit sparst du dir das Sperrgepäck-Roulette am Flughafen.
- Darf bei vielen Airlines mit in die Kabine – kein Warten und kein Transportschaden
- Liegefunktion macht ihn auch für den Mittagsschlaf unterwegs brauchbar
- Ein Handgriff zum Falten, wenn man es einmal geübt hat
- Deutlich leichter als ein normaler Buggy
- Kleine Räder – auf Kopfsteinpflaster und im Sand kommt er nicht weit
- Weniger Polsterung als ein vollwertiger Kinderwagen
- Die kabinentauglichen Modelle sind spürbar teurer
Lohnt sich ab dem zweiten Flug. Prüfe vor dem Kauf die konkreten Handgepäckmaße deiner Airline – die Angaben der Hersteller sind optimistisch.
Langärmliger Schwimmanzug mit UPF 50+ und passendem Hut mit Nackenschutz. Der zuverlässigste Sonnenschutz, den es gibt – weil er nicht abgewaschen wird und nicht vergessen werden kann.
- Wirkt auch nach zwei Stunden im Wasser noch, anders als Creme
- Spart eine Menge Eincremerei und damit eine Menge Diskussionen
- Nackenschutz am Hut deckt die Stelle ab, die man beim Cremen immer vergisst
- Trocknet in Minuten
- Gesicht, Hände und Füße müssen trotzdem eingecremt werden
- Kinder kühlen darin bei Wind schneller aus
- Wächst schnell raus – jährlicher Neukauf
Für Babys unter einem Jahr die richtige Grundausstattung, weil sie ohnehin nicht in die direkte Sonne gehören. Achte auf eine ausgewiesene UPF-50+-Angabe, nicht nur auf das Wort 'UV-Schutz'.
Mini-Disco am Abend
Nicht im ersten, aber im zweiten Urlaub drei Monate später – Dank an die Elternzeit – wurde die Mini-Disco um 20 Uhr fester Bestandteil der Abende.
Unser Sohn gehörte zu den Jüngsten und tanzte konsequent sein eigenes Programm: kreuz und quer über die Tanzfläche, dazwischen viele Drehungen um die eigene Achse. Was uns überrascht hat, war die völlige Scheulosigkeit gegenüber den fremden Kindern.
Bei Regen: die Bimmelbahn
Schlechtes Wetter gibt es auf Mallorca offiziell nicht, in der Vorsaison regnet es trotzdem. Unsere Lösung war die Inselbahn – mit einem wichtigen Unterschied:
Die Bimmelbahn an der Playa de Palma fährt an der Promenade entlang, das Meer bleibt im Blick. Die in Cala Millor fährt durch die Hotelschluchten und du siehst im Wesentlichen Fassaden. Die Fahrt in Cala Millor war für uns eine Enttäuschung – trocken geblieben sind wir immerhin.
Der Tagesablauf verschiebt sich komplett
Früher gingen wir spät essen, um die Sonne auszureizen. Mit Kind standen wir bei Türöffnung vor dem Restaurant – je früher wir anfingen, desto eher waren wir fertig.
Das Abendessen selbst wurde zur Logistikaufgabe: Gänge zum Buffet gut organisieren, damit keine Leerlaufzeit entsteht, ein kleines Spielzeug am Tisch als Ablenkung, und anschließend das Schlachtfeld rund um den Kinderstuhl aufräumen.
Auch der Sonnenuntergang verlor an Bedeutung. Statt romantisch am Strand zu stehen, waren wir auf dem Spielplatz. Oder an der Promenade, wo unser Sohn nebenherlief, Jogger beobachtete und auf Beetumrandungen balancierte.
| Vorher | Mit Kind |
|---|---|
| Frühstück gegen 10 | Frühstück bei Türöffnung |
| Strand den ganzen Tag | Strand morgens, Mittagsschlaf drinnen |
| Abendessen um 21 Uhr | Abendessen um 18:30 Uhr |
| Sonnenuntergang am Strand | Sonnenuntergang auf dem Spielplatz |
| Buch lesen | Sandburgen bauen und wieder zerstören |
Unser Fazit
Wunderschön. In einem Wort.
Vielleicht klingt manches hier nach Last. Das war es nicht. Unserem Sohn das Meer zu zeigen, zu sehen, wie er den Sand entdeckt, das erste Mal mit ihm zu fliegen – das war ein anderes, aber kein schlechteres Urlaubsgefühl.
Am meisten beeindruckt hat uns, wie sehr er sich in zehn Tagen verändert hat. Anfangs war er zurückhaltend, wenn fremde Leute ihn ansahen. Am Ende lächelte er zurück und winkte.
Was wir beim nächsten Mal anders gemacht haben: weniger mitnehmen, den Mittagsschlaf von Anfang an als Fixpunkt einplanen und die Unterkunft danach aussuchen, wie weit es zum Strand ist – nicht danach, wie schön das Buffet auf den Fotos aussah.
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Welche Erfahrungen hast du im ersten Urlaub mit Baby gemacht? Und was war die größte Herausforderung?
* Werbelink — wir erhalten ggf. eine Provision, wenn du darüber einkaufst. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann man mit einem Baby in den Urlaub fliegen?
Fluggesellschaften nehmen Babys in der Regel ab der zweiten Lebenswoche mit, viele empfehlen aber die Zeit nach dem dritten Monat. Aus unserer Sicht ist nicht das Alter die entscheidende Frage, sondern euer Zustand: Wenn ihr nachts kaum schlaft, wird ein Flug das nicht besser machen. Unser Großer war beim ersten Flug 14 Monate alt, und das war ein gutes Alter – er konnte sitzen, sich beschäftigen und war noch nicht zu mobil für die Sitzreihe.
Was ist das beste Reiseziel für den ersten Urlaub mit Baby?
Etwas Nahes mit kurzer Anreise, verlässlicher medizinischer Versorgung und gemäßigten Temperaturen. Wir sind im Mai nach Mallorca – Vorsaison, milde Sonne, zweieinhalb Stunden Flug. Das war rückblickend genau richtig. Fernreisen mit großer Zeitverschiebung würden wir im ersten Jahr nicht machen, weil der Rhythmus dann zwei Mal umgestellt werden muss.
Wie schütze ich mein Baby am Strand vor der Sonne?
Babys unter einem Jahr gehören gar nicht in die direkte Sonne. Der beste Schutz ist Kleidung: UV-Shirt, Hut mit Nackenschutz, Strandmuschel oder Schirm. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor kommt nur auf die Stellen, die frei bleiben. Und die Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr verbringt ihr besser drinnen – das ist ohnehin die beste Schlafzeit.
Braucht mein Kind im Flugzeug einen eigenen Sitz?
Bis zwei Jahre darf ein Kind auf dem Schoß mit einem Schlaufengurt mitfliegen und zahlt nur einen kleinen Anteil. Sicherer ist ein eigener Sitzplatz mit zugelassenem Kindersitz, und ab etwa einem Jahr ist es auch für alle Beteiligten angenehmer. Wir haben beim ersten Mal den Schoß genommen und beim zweiten Mal den eigenen Platz – und würden es wieder so machen.
Was gehört in die Reiseapotheke für Kinder?
Fiebersaft und Zäpfchen in der passenden Dosierung, ein digitales Fieberthermometer, Elektrolytpulver gegen Durchfall, Wund- und Heilsalbe, Pflaster, Desinfektionsmittel, eine Pinzette und ein Mittel gegen Insektenstiche. Dazu die Medikamente, die dein Kind ohnehin braucht, und eine Kopie des gelben Untersuchungshefts. Wichtig: Alles, was ihr braucht, ins Handgepäck – Koffer verspäten sich.
Wie überstehe ich den Flug mit einem Kleinkind?
Beim Start und beim Landeanflug trinken lassen – Stillen, Fläschchen, Trinkbecher oder etwas zum Kauen. Das gleicht den Druck auf den Ohren aus und erspart euch viel Geschrei. Ansonsten hilft eine Tasche mit kleinen neuen Dingen, die nach und nach ausgepackt werden. Wir haben dazu einen eigenen Artikel über die Kinder-Unterhaltung auf Langstreckenflügen.



