Die Geburt – ein so besonderes Ereignis. Ich erinnere mich gern zurück, auch wenn nicht alles glatt gelaufen ist. Hier ist unser Geburtsbericht, so ehrlich wie möglich – mit allem, was gut lief, und dem, was danach kompliziert wurde.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Geburt begann 7 Tage vor dem errechneten Termin, mit unauffälligem Ziehen, das erst am nächsten Tag als Wehen erkennbar wurde.
- Unser Sohn kam am 29.03. um 1:49 Uhr zur Welt, nach Presswehen ab dem späten Abend.
- Ich habe die Geburt ohne PDA bewältigt, mit Lachgas als Schmerzlinderung.
- Nach der Geburt kam es zu einer starken Nachblutung (ca. 2,2 Liter) – eine anerkannte, behandelbare Geburtskomplikation.
- Zwischen Geburt und Behandlung der Blutung blieb Zeit zum ersten Stillen und Bonding.
Es war Montag, der 27.03.2017, sieben Tage vor meinem errechneten Entbindungstermin. Meine Nacht war unruhig – kein wirklicher Schmerz, nur ein unangenehmes Ziehen hier und da. Mein Bauchgefühl sagte mir trotzdem, dass unser Sohn eher später kommen würde, deshalb habe ich das nächtliche Ziehen noch nicht als Anzeichen gewertet.
Ein ganz normaler Montag
Ich frühstückte ausgiebig und fuhr selbst zur geburtsvorbereitenden Akupunktur ins Krankenhaus – wie schon die zwei Wochen davor. Mir ging es gut, keine Beschwerden. Die Hebamme erwähnte, dass sie am Tag nach dieser bestimmten Akupunktur-Sitzung häufig Mütter im Kreißsaal wiedertrifft. Ich konnte es mir kaum vorstellen, dass es bei uns schon am nächsten Tag losgehen würde.
Am Abend war meine Nacht wieder unruhig, keine Schlafposition fühlte sich bequem an.
Platz da, jetzt kommen die Wehen
Am nächsten Tag hatte ich beim Spaziergang mit einer schwangeren Freundin immer wieder Wehen, teilweise so stark, dass ich stehen bleiben musste. Auch die habe ich noch für harmlose Senkwehen gehalten. Am Nachmittag saß ich noch entspannt in der Sonne auf der Terrasse.
Aber was bedeuten die Wehen?
Um 18 Uhr hatten wir einen Kontrolltermin bei der Frauenärztin – inzwischen mit spürbaren Wehen zwischendrin. Beim CTG zeigte sich Wehentätigkeit, aber noch zu schwach für die eigentliche Geburt. Die Aussage der Ärztin, dass der Zustand des Muttermunds für den weiteren Verlauf ohnehin keinen Unterschied mache, fand ich in dem Moment frustrierend – im Rückblick war es die richtige Entscheidung, mich nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.
Ein bisschen Schlaf muss sein
Ich beschloss, früh ins Bett zu gehen, nach zwei durchwachten Nächten – blieb aber keine fünf Minuten liegen, wegen starker Rückenschmerzen. Auch ein Bad brachte keine Erleichterung.
Geburtswehen? Wir stoppen die Zeit
Mein Mann begann, die Wehenabstände zu stoppen: alle 5 Minuten, mit rund 1,5 Minuten Pause dazwischen. Einen Blasensprung hatte ich zu Hause nicht – das war auch bei meiner Mutter und Großmutter nicht der Fall gewesen, insofern keine Überraschung. Trotzdem waren wir unsicher, ob es Zeit für die Klinik war.
Frisch geduscht ins Krankenhaus
Ich duschte noch schnell, nahm auf Empfehlung meiner Hebamme Arnica-Globuli und wir fuhren los.
Auf der Fahrt hielten sich die Schmerzen erstaunlich in Grenzen, sodass ich schon an einen Fehlalarm dachte. Um 22:30 Uhr kamen wir im Krankenhaus an, wurden zum CTG gebracht – und nach rund 30 Minuten kam die erlösende Einschätzung der Hebamme: Es geht los.
Nächster Halt: Kreißsaal
Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der Muttermund bereits 7 bis 8 Zentimeter geöffnet war (Ziel: 10 cm) – und das komplett ohne Schmerzmittel. Auf die Frage nach einer PDA entschied ich mich dagegen: Wenn es bis hierhin ohne ging, wollte ich es weiter versuchen. Als Alternative stand Lachgas zur Verfügung, das ich dann auch ausgiebig genutzt habe.
Wenn die Fruchtblase nicht platzt
Da bei meiner Mutter und Großmutter jeweils kein spontaner Blasensprung stattgefunden hatte, schlug ich der Hebamme vor, die Fruchtblase zu öffnen. Die Ärztin stimmte zu – der Eingriff selbst war völlig schmerzfrei, eher ein befreiendes Gefühl.
Danach ging es an die Presswehen, spürbar anstrengender als die Eröffnungswehen. Am 29.03. um 1:49 Uhr hat unser Sohn dann das Licht der Welt erblickt – ein magischer Moment, an den ich mich bis heute genau erinnere.
Unser Kind war geboren, die Geburt aber noch nicht zu Ende
Nach der Geburt der Plazenta – ebenfalls anstrengend, aber schnell überstanden – begannen die Komplikationen: Ich hörte einfach nicht auf zu bluten, besonders wenn die Ärzte meinen Bauch abtasteten, um die Position der Gebärmutter zu prüfen.
Die Ärzte schätzten meinen Blutverlust auf insgesamt etwa 2,2 Liter und entschieden sich, nachdem sie es abgewogen hatten, für eine Ausschabung in Narkose. Zwischen der Geburt und der OP blieben rund drei Stunden Zeit – genug, um meinen Sohn zu stillen und zu bewundern.
Nach der OP durften mein Mann und mein Sohn direkt zu mir, und erst da habe ich alles wirklich realisiert. Auch wenn nicht alles reibungslos gelaufen ist: Der Körper weiß erstaunlich genau, was zu tun ist. Mehr zu unserer zweiten Schwangerschaft danach steht in Die zweite Schwangerschaft: Ein neues Kapitel beginnt. Wie die ersten zwei Tage nach der Geburt des zweiten Sohnes für Vater und großen Bruder zu Hause aussahen, steht in Nach der Geburt des 2. Kindes: Unsere Vater-Sohn-Tage.
Häufige Fragen
Wie erkennt man den Unterschied zwischen Senkwehen und echten Geburtswehen?
Am zeitlichen Muster: Echte Geburtswehen kommen in zunehmend regelmäßigen, kürzer werdenden Abständen und werden stärker. Senkwehen sind unregelmäßig und verschwinden meist, wenn man die Position wechselt. Im Zweifel hilft nur eins: die Zeit zwischen den Wehen stoppen und bei Unsicherheit die Hebamme oder Klinik anrufen.
Muss die Fruchtblase von selbst platzen?
Nein. Bei vielen Geburten platzt sie erst spät oder gar nicht von selbst, und die Hebamme oder Ärztin kann sie bei Bedarf öffnen (Amniotomie), um die Geburt voranzubringen. Das ist ein Routineeingriff und in der Regel nicht schmerzhaft, weil die Fruchtblase selbst keine Schmerzrezeptoren hat.
Wie häufig sind starke Blutungen nach der Geburt?
Eine postpartale Blutung über 500 ml gilt als auffällig, über 1000 ml als schwer – solche starken Nachblutungen betreffen einen kleinen, aber relevanten Anteil der Geburten und werden meist durch eine zu schwach nachziehende Gebärmutter (Uterusatonie) verursacht. Kliniken sind auf dieses Szenario vorbereitet, unter anderem mit wehenfördernden Mitteln und, falls nötig, einer Ausschabung oder Bluttransfusion.
Wirken homöopathische Mittel wie Arnica-Globuli nachweislich schmerzlindernd?
Nach aktuellem wissenschaftlichem Stand nicht über den Placebo-Effekt hinaus. Das heißt nicht, dass die subjektive Erfahrung nicht real ist – aber es ist ehrlicher, sie als persönliche Erfahrung statt als belegte Wirkung darzustellen. Für eine echte Schmerzlinderung unter der Geburt stehen Lachgas, PDA und andere geprüfte Methoden zur Verfügung.
Wie schnell nach der Geburt kann man mit dem Stillen beginnen?
Im besten Fall direkt in der ersten Stunde – das sogenannte Bonding und der erste Stillversuch werden von den meisten Kliniken aktiv unterstützt. Auch wenn es, wie bei uns durch eine Komplikation, zu einer Verzögerung kommt, lässt sich das Stillen in aller Regel trotzdem gut aufbauen.



