Der Ranzen fliegt in die Ecke, das Heft bleibt zu, und nach zehn Minuten weint jemand. Oft dein Kind, manchmal du. Streit bei den Hausaufgaben entsteht selten nur wegen einer schweren Rechenaufgabe. Oft fehlt auch ein fester Rahmen: Wann wird gearbeitet, wo, wie lange, und wer ist wofür zuständig?
Das Wichtigste auf einen Blick
- 30 Minuten in Klasse 1 und 2, 45 Minuten in Klasse 3 und 4: So regelt es Nordrhein-Westfalen. Niedersachsen setzt 30 Minuten für die ganze Grundschule, Bayern bis zu einer Stunde.
- Feste Zeit, fester Platz: Wenn nicht jeden Tag neu verhandelt wird, fällt ein großer Teil des Streits weg.
- Begleiten statt übernehmen: Hausaufgaben sollen allein zu schaffen sein. Fehler bleiben stehen, damit die Lehrkraft sie sieht.
- Bei Streit unterbrechen, nicht durchboxen: Pause machen, die Aufgabe teilen und bei deutlich überschrittener Zeit mit einer Notiz ins Heft aufhören.
- Dauert es regelmäßig viel länger als vorgesehen, gehört das zur Lehrkraft, nicht an den Küchentisch.
Wie lange dürfen Hausaufgaben dauern?
Wie viel Zeit Hausaufgaben kosten dürfen, regelt jedes Bundesland selbst, und die Unterschiede sind groß:
| Bundesland | Klasse 1 und 2 | Klasse 3 und 4 | Freie Tage |
|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 30 Minuten | 45 Minuten | Wochenenden, Feiertage und Tage mit Pflicht-Nachmittagsunterricht |
| Niedersachsen | höchstens 30 Minuten | höchstens 30 Minuten | Wochenenden (von Freitag auf Montag) und Ferien |
| Bayern | bis zu einer Stunde | bis zu einer Stunde | Sonn- und Feiertage, Ferien |
Quellen: Runderlass zu Hausaufgaben in Nordrhein-Westfalen (BASS 12-63 Nr. 3), Kultusministerium Niedersachsen, Bayerische Schulordnung § 28.
Die Zeiten gelten für ein Kind, das in normalem Tempo und ohne fremde Hilfe arbeitet. Sie sind eine Obergrenze für die Schule, keine Vorgabe, die dein Kind ausschöpfen muss. In Bayern gilt an Grundschulen bis zu einer Stunde als angemessen; die Grundsätze für die eigene Schule legt die Lehrerkonferenz vor Schuljahresbeginn fest. Frag im Zweifel beim ersten Elternabend nach.
Eine feste Zeit statt täglicher Verhandlung
Ein häufiger Auslöser für Streit ist die Frage „Wann machst du endlich deine Hausaufgaben?“. Wird sie jeden Tag neu gestellt, wird auch jeden Tag neu verhandelt. Eine feste Zeit nimmt ihr die Spitze.
- Nicht direkt nach der Schule. Erst essen, dann eine Pause mit Bewegung oder Spielen, damit der Kopf nach dem Schultag wieder frei wird.
- Jeden Tag ungefähr zur selben Uhrzeit. An Tagen mit Sport oder Musikschule verschiebt sich die Zeit, aber sie steht vorher fest und nicht erst, wenn es dunkel wird.
- Kurze Pausen einplanen. Nach einer Aufgabe kurz aufstehen, etwas trinken, weiter. Gerade Erstklässler können sich noch nicht lange am Stück konzentrieren.
- Klarer Schluss. Wenn die Aufgaben fertig sind, ist frei. Wer schneller arbeitet, hat mehr vom Nachmittag.
Der Arbeitsplatz
Ob Schreibtisch im Kinderzimmer oder Küchentisch, spielt eine kleinere Rolle als die Ruhe drumherum. Viele Grundschulkinder arbeiten am Anfang lieber dort, wo die Eltern in der Nähe sind. Das ist in Ordnung.
Wichtig ist:
- Gutes Licht, am besten Tageslicht von der Seite. Rechtshänder brauchen das Licht von links, Linkshänder von rechts, sonst liegt der Schatten der Hand auf dem Heft.
- Nur das auf dem Tisch, was gebraucht wird: Heft, Buch, Mäppchen, ein Glas Wasser.
- Kein Fernseher, kein Tablet, kein Handy in Reichweite. Geschwister spielen in der Zeit woanders.
- Stuhl und Tisch in passender Höhe. Die Füße stehen flach auf dem Boden, zur Not auf einem Hocker.
Am Vorabend packt dein Kind den Ranzen nach dem Stundenplan. Dann fehlt am nächsten Tag in der Schule nichts, und dein Kind trägt kein unnötiges Gewicht. Worauf es beim Ranzen selbst ankommt, steht in unserer Checkliste zum Schulranzenkauf.
Was Eltern tun und was nicht
Hausaufgaben sollen so gestellt sein, dass dein Kind sie allein schaffen kann. Das steht so zum Beispiel im nordrhein-westfälischen Erlass. Deine Rolle ist also eher der Rahmen drumherum als die Nachhilfe.
Was hilft:
- Nachfragen, was aufgegeben ist, und kurz gemeinsam draufschauen.
- In der Nähe sein, ansprechbar, aber nicht daneben sitzen und jede Zeile beobachten.
- Bei einer Frage mit einer Gegenfrage helfen: „Was steht in der Aufgabe?“, „Wie habt ihr das in der Schule gemacht?“
- Am Ende prüfen, ob alles erledigt ist, und das auch sagen: „Fertig, sehr gut.“
Was nicht hilft:
- Fehler ausradieren und richtig hinschreiben lassen. Die Lehrkraft soll sehen, wo dein Kind unsicher ist, sonst weiß sie nicht, was sie noch einmal üben muss.
- Eine Aufgabe vorrechnen, weil es schneller geht.
- Schönschrift nachbessern lassen, wenn die Aufgabe eigentlich eine Rechenaufgabe war.
- Die Hausaufgabenzeit mit zusätzlichen Übungsblättern verlängern.
Wie Kinder auch in anderen Bereichen Verantwortung übernehmen: Verantwortung übernehmen.
Wenn es Streit gibt
Auch mit fester Zeit und gutem Platz gibt es Tage, an denen nichts geht. Dann hilft ein Ablauf, den ihr vorher kennt:
- Stopp sagen, bevor es laut wird. „Wir machen fünf Minuten Pause.“ Ein Glas Wasser, ans Fenster, kurz raus.
- Das Gefühl benennen, nicht die Leistung. „Du bist gerade richtig sauer, weil die Aufgabe nicht klappt.“ Das beruhigt oft mehr als jede Erklärung zur Aufgabe.
- Die Aufgabe kleiner machen. Statt „das ganze Arbeitsblatt“ nur die erste Zeile. Danach die nächste.
- Eine Wahl lassen. „Willst du mit Mathe oder mit Deutsch anfangen?“ Wer mitentscheidet, macht eher mit.
- Schluss machen, wenn die Zeit deutlich überschritten ist. Dann schreibst du eine kurze Notiz ins Heft, bei vorgesehenen 30 Minuten zum Beispiel: „Nach 40 Minuten abgebrochen, die letzte Aufgabe war zu schwer.“
Was du dabei vermeiden solltest: Drohungen mit Fernsehverbot, Vergleiche mit Geschwistern oder Sätze wie „Das ist doch ganz leicht“. Für dein Kind ist es in dem Moment nicht leicht, und der Satz sagt ihm nur, dass es versagt.
Schritt für Schritt selbstständig
Ziel ist, dass dein Kind die Hausaufgaben irgendwann allein erledigt. Das geht in Etappen:
- Am Anfang der ersten Klasse: Du bist in der Nähe, schaust gemeinsam auf die Aufgabe und bleibst ansprechbar.
- Wenn es gut läuft: Du gehst in den Nebenraum und kommst zum Abschluss vorbei.
- Später: Dein Kind fängt allein zur festen Zeit an und meldet sich, wenn es fertig ist oder eine Frage hat.
- Zuletzt: Du fragst nur noch, ob alles erledigt ist, und schaust gelegentlich ins Hausaufgabenheft.
Wann der nächste Schritt passt, hängt vom Kind ab und nicht von der Klassenstufe. Geht ein Schritt schief, macht ihr ein paar Tage die vorherige Stufe und probiert es dann wieder.
Wann du mit der Lehrkraft sprechen solltest
Hausaufgaben sind auch eine Rückmeldung an die Schule. Ein Gespräch lohnt sich, wenn
- dein Kind über Wochen deutlich länger braucht als die Zeit, die in eurem Bundesland vorgesehen ist,
- es dieselbe Art von Aufgabe immer wieder nicht versteht,
- die Hausaufgaben fast jeden Tag im Streit enden oder dein Kind Bauchweh bekommt, sobald das Heft auf dem Tisch liegt.
Bring zum Gespräch mit, was du beobachtet hast: an welchen Tagen, bei welchem Fach, wie lange. Eine Woche lang die Zeiten im Wochenplan unten zu notieren, reicht dafür völlig aus. Lehrkräfte sehen im Unterricht nur einen Teil des Tages und sind auf diese Rückmeldung angewiesen.
Wochenplan zum Ausdrucken
Dein Kind sieht auf dem Plan, wann Hausaufgaben dran sind und wann frei ist, und du hast nach einer Woche notiert, wie lange die Aufgaben wirklich dauern.
Das PDF hat zwei Seiten:
- Seite 1: Wochenplan Montag bis Freitag. Für jeden Tag gibt es Felder für die Hausaufgaben-Uhrzeit, die Fächer, einen Haken für „erledigt“, die tatsächliche Dauer in Minuten und Termine am Nachmittag.
- Seite 2: Unser Hausaufgaben-Ablauf. Fünf Schritte zum Aufhängen am Arbeitsplatz, vom Essen und der Pause bis zum Ranzen packen, mit Platz für eure eigene Uhrzeit.
Häufige Fragen
Wie lange dauern Hausaufgaben in der 1. Klasse?
In Nordrhein-Westfalen sollen Hausaufgaben in Klasse 1 und 2 in 30 Minuten zu schaffen sein, in Niedersachsen gilt das für die ganze Grundschule, also auch für die erste Klasse. Gemeint ist ein Kind, das in normalem Tempo und ohne Hilfe arbeitet. In Bayern gilt an Grundschulen eine Zeit von bis zu einer Stunde als angemessen.
Wie lange dürfen Hausaufgaben in der 4. Klasse dauern?
In Nordrhein-Westfalen sind es in der 3. und 4. Klasse 45 Minuten, in Niedersachsen für die ganze Grundschule höchstens 30 Minuten, in Bayern bis zu einer Stunde. Braucht dein Kind regelmäßig deutlich länger, gehört das in ein Gespräch mit der Lehrkraft.
Sollen Eltern die Hausaufgaben kontrollieren und Fehler verbessern?
Kontrollieren, ob alles erledigt ist, ja. Fehler selbst ausbessern besser nicht: Die Lehrkraft soll sehen, wo dein Kind noch unsicher ist. Hausaufgaben sind so gedacht, dass ein Kind sie allein schaffen kann.
Gibt es am Wochenende Hausaufgaben?
Das regelt jedes Land selbst. In Nordrhein-Westfalen sind Wochenenden und Feiertage frei, in Niedersachsen werden von Freitag auf Montag und über die Ferien keine Hausaufgaben gestellt. In Bayern bleiben Sonn- und Feiertage sowie die Ferien frei, der Samstag ist dort nicht ausdrücklich ausgenommen.



