Jedes Kind lernt laufen - früher oder später. Vielleicht hast du schon mal den Spruch gehört: „spätestens wenn sie in die Schule gehen, laufen sie…“ Ja, dieser Satz hat einen Funken Wahrheit in sich.
Aber ab wann lernen Kinder laufen? Was ist früh und was bedeutet spät beim Laufen Lernen?
Meilenstein für Meilenstein schreitet das erste Lebensjahr deines Kindes in einem wahnsinnigen Tempo voran. Der Spruch, dass Kinder jeden Tag etwas Neues können, bekommt erst so richtig eine Bedeutung, wenn man dieses Phänomen an seinen eigenen Kindern miterleben kann. Ob das erste Mal Drehen, der erste Delphi-Kurs oder das Babyschwimmen - es können interne und externe Faktoren sein, an denen man die Entwicklung miterleben kann. Manches verändert sich dabei so langsam, dass man es erst im Rückblick bemerkt: welche Augenfarbe es bekommt, steht bei den meisten Kindern erst gegen Ende des ersten Jahres fest.
Das Laufen Lernen ist einer der elementarsten Entwicklungsschritte, mit dem dein Kind ganz neue Möglichkeiten in der Fortbewegung entdeckt. Dieser Meilenstein bedeutet gleichzeitig, dass dein Kind eine riesige koordinative Herausforderung erfolgreich gemeistert hat.
Ob Kinder früh oder spät laufen lernen, hat jedoch keinerlei Einfluss auf die weitere Entwicklung. Man sagt, dass Kinder, die spät laufen lernen, eher mit dem Sprechen beginnen. Das lässt die These zu, dass Babys nicht alle Fähigkeiten gleichzeitig entwickeln können, sondern alles in einer individuellen Reihenfolge erlernen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die normale Spanne ist weit: erste freie Schritte zwischen 9 und 17 Monaten.
- Früh laufen ist kein Vorteil, spät laufen kein Rückstand – es ist der Entwicklungsweg deines Kindes.
- Von Gehfrei/Babywalker raten Fachleute ab – das Kind erreicht ein Tempo, das es nicht kontrollieren kann.
- Schiebe-Lauflernwagen sind unbedenklich, solange sie kippsicher sind und sich bremsen lassen.
- Barfuß ist die beste Übung. Schuhe braucht es erst draußen und dann mit dünner, flexibler Sohle.
- Ärztlich ansprechen, wenn dein Kind mit 18 Monaten noch nicht frei läuft oder über Monate fast nur auf Zehenspitzen geht.
Aber wann können Kinder eigentlich laufen?
Der Zeitpunkt, wann dein Baby seine ersten Schritte machen wird, ist absolut individuell. Ebenso wie dein Kind selbst. Es gibt einige Kinder, oder gar Babys, die bereits zwischen dem 9. und 10. Monat ihre ersten Schritte machen. Andere wiederum lassen sich deutlich länger Zeit und beginnen erst mit 16. oder 17. Monaten zu laufen.
Dr. Burkhard Lawrenz, Kinder- und Jugendarzt aus Arnsberg bestätigt, dass es kein Grund zur Sorge gibt, wenn dein Kind erst später Laufen lernt. Jede Entwicklung ist individuell und kann absolut nicht pauschalisiert werden.
Lass dich von Erfahrungsberichten und Entwicklungstabellen im Netz nicht aus der Ruhe bringen, denn diese basieren alle nur auf Durchschnittswerten.
Fokussiere dich einfach auf die Fähigkeiten, die dein Kind schon kann, dies fördert ebenso das Selbstvertrauen deines Kindes. Jede Unsicherheit der Eltern wird auch unterbewusst auf die Kinder übertragen. Vergleiche es daher nicht mit anderen, gleichaltrigen Kindern. Jeder hat seine Stärken und Schwächen woanders.
Was passiert, wenn Kinder zu früh laufen (können/wollen)?
Grundsätzlich ist zu sagen: Alles was dein Kind von alleine macht, ist auch für die Muskulatur absolut okay.
Wenn dein Kind sich also bereits mit 7 oder 8 Monaten überall hochzieht und kurz darauf die ersten Schritte versucht, dann ist es sein Entwicklungsweg.
Kann ich das Laufenlernen unterstützen?
Ja, aber nur indirekt, in dem du deinem Baby einen freie und sichere Umgebung anbietest, in der es sich ausprobieren kann. Ohne deine Hilfe. Es bedarf kein Elterntraining, an der Hand laufen oder ähnliches.
Ein Lauflernwagen zum Schieben, bei dem sich der Rollwiderstand einstellen lässt, kann dabei eine sinnvolle Ergänzung sein – nötig ist er nicht. Das meiste passiert ohnehin an der Sofakante, am Couchtisch und an deinen Hosenbeinen.
Es ist ein menschliches Bedürfnis, sich generell aufrecht zu bewegen. Und dieses Ziel verfolgt dein Baby bereits ab Minute eins. Durch kräftiges Strampeln - übrigens schon im Mutterleib - trainiert es seine Muskeln und Bänder bereits. Aber dieses Training allein ist nicht ausreichend.
Das richtige, freie und flüssige Laufen lernen setzt ein intelligentes, hochkomplexes Zusammenspiel von Muskeln und Gehirn voraus. Laufen lernen bedeutet also richtig, richtig viel Übung.
Nehmen wir mal ein Beispiel aus der Technik: Roboter, die von hochqualifizierten Ingenieuren programmiert werden, laufen eher abgehackt. Es sieht nie so flüssig aus, wie bei uns Menschen. Dies spiegelt ebenfalls nochmal diese enorme Herausforderung wieder.
Kinder machen im Schnitt 13.000 Schritte am Tag und fallen um die 100 mal hin. Selbstständiges Aufstehen, oder an Gegenständen Hochziehen, sind ein enorm wichtiger Baustein im Läuflern-Prozess. Auch das Erkunden von unterschiedlichen Untergründen gehört dazu.
Du kannst also dein Kind nur darin unterstützen, in dem du viel mit ihm rausgehst und es sich ausprobieren darf.
Braucht mein Kind für die ersten Schritte Schuhe? Wenn ja, welche?
So lange es möglich ist, ist Barfußlaufen für dein Kind die allerbeste Lösung. So werden alle Bänder und Muskeln um das Sprunggelenk ganz natürlich trainiert und gleichmäßig belastet.
Barfußlaufen ist aber nicht zu jeder Jahreszeit möglich und so wird über kurz oder lang auf das erste Paar Schuhe zurückgegriffen. Bevor jedoch feste Schuhe notwendig sind, sind Lederpuschen mit ganz dünnen Ledersohlen die viel bessere Alternative für dein Kind. Deswegen nennt man diese Schuhe auch gern Lauflernschuhe.
Fachpersonal in Schuhläden vertritt häufig noch die Meinung, dass kleine Kinderfüße gestützt werden müssen. Dem ist allerdings nach neuesten Studien nicht so.
Barfußschuhe für Kinder haben enorme Vorteile für die Gesundheit deines Kindes. Durch die super dünne Sohle haben die Kinder die Möglichkeit ihren Untergrund deutlich besser wahrzunehmen, weiterhin die Muskeln und Bänder zu stärken und trotzdem vor scharfkantigen Gegenständen geschützt zu sein.
Für die Entwicklung der Fußmuskulatur sind diese Barfußschuhe sehr empfehlenswert. Worauf du beim Kauf achten solltest – Sohlendicke, Passform, Zehenfreiheit –, steht ausführlich in unserer Kaufberatung zu Barfußschuhen für Kinder.
Was in dieser Phase sinnvoll ist
Wir haben die folgenden Sachen nicht in einem Testverfahren verglichen, sondern stützen uns auf Herstellerangaben, öffentliche Rezensionen und zwei eigene Laufanfänger:
So kommt unsere Einschätzung zustande: Wir werten Herstellerangaben und öffentlich zugängliche Kundenrezensionen aus und gleichen sie mit eigener Erfahrung aus unserem Familienalltag ab, statt jedes Produkt selbst zu testen. Wo wir etwas tatsächlich selbst genutzt haben, kennzeichnen wir das im Artikel gesondert.
Schiebewagen aus Holz mit breiter Standfläche und einstellbarem Rollwiderstand, den das Kind im Stehen vor sich herschiebt.
- Das Kind bestimmt Tempo und Richtung selbst – der entscheidende Unterschied zum Gehfrei
- Einstellbare Bremse verhindert, dass der Wagen auf glattem Boden wegrollt
- Wird später als Transportwagen weiterbespielt
- Nicht nötig – Kinder lernen genauso gut ohne
- Auf Teppich rollt er schwer, auf Parkett zu leicht: ohne Bremse unbrauchbar
Wenn Lauflernwagen, dann einer mit einstellbarem Widerstand und breiter Basis. Ein Gehfrei, in das man das Kind hineinsetzt, ist etwas ganz anderes und nicht zu empfehlen.
Weiche Puschen aus Leder oder Socken mit Gumminoppen, die den Fuß warm halten, ohne ihn zu stützen.
- Nächstbeste Lösung nach barfuß – der Fuß bleibt beweglich
- Verhindert Wegrutschen auf Laminat und Fliesen
- Deutlich günstiger als feste Lauflernschuhe, die drinnen ohnehin nichts bringen
- Lederpuschen nutzen sich schnell ab
- Socken mit aufgedruckten statt erhabenen Noppen rutschen doch
Die richtige Wahl für drinnen. Feste Schuhe braucht dein Kind erst, wenn es regelmäßig draußen auf unebenem Untergrund läuft.
Muss ich auf eventuelle Fußfehlstellungen achten?
Babyfüße sind in den ersten Monaten zuckersüß. Sie sehen meist klein, platt und speckig aus. Das liegt einfach daran, dass Babyfüßchen kaum entwickelt sind und zunächst nur aus Knorpeln bestehen, welche noch super weich und verformbar sind.
Auch wenn dein Baby bereits wie ein Weltmeister krabbelt, sehen seine Füße immer noch anders proportioniert aus, als ein ausgewachsener Fuß. Erst wenn dein Kind sich überall hochzieht, werden Längs- und Quergewölbe im Fuß entwickelt.
Solange die Sehnen und Bänder im Fußgelenk noch nicht vollständig trainiert wurden, kann es sein, dass dein Kind anfangs häufig auf Zehenspitzen laufen übt. Bei den meisten Kindern ist das nur eine kurze Phase, bis sie wieder auf flachem Fuß weiterlaufen.
Hält diese Phase extrem lang an, dann spricht man von “Zehenspitzenläufern”. Hier solltest du einen Arzt aufsuchen, der sich das einmal anschaut. Je früher das erkannt wird desto besser kann es behandelt werden.
Erst um den 6. Geburtstag herum hat sich die optische Entwicklung des Fußes angepasst und gleicht dem eines Erwachsenen. Die endgültige Schuhgröße und somit die Verknöcherung des Fußes zieht sich bis in Jugendalter hin und ist bei Mädchen mit ca. 12/13 Jahren und bei Jungen mit ca. 14/15 Jahren abgeschlossen.
Sind O-Beine bei Babys ein Grund zur Sorge?
Nein, auf keinen Fall. Fast jedes Baby hat O-Beine. Dies liegt einfach daran, dass der Platz im Mutterleib begrenzt ist und das Baby so eine platzsparende Position einnehmen kann.
Häufig haben O-Beine bei kleinen Laufanfängern auch einen Vorteil, da es zusätzliche Stabilität bringt.
Im Laufe der Zeit verwachsen sich die O-Beine bei Babys dann in der Regel.
Fazit: Laufen lernen wird jedes Kind
Uns hat es sehr geholfen, nicht in die Vergleiche mit anderen Eltern einzusteigen. Unsere beiden Jungs haben rund um den ersten Geburtstag laufen gelernt.
Beide haben sich jedoch schon deutlich früher an Gegenständen oder am Tisch hochgezogen und sich hingestellt. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit vergeht, bis dein Kind den ersten richtigen Schritt wagt.
Das Hochziehen ist wirklich nur der Anfang. Als nächste stehen die Kinder dann einige Sekunden komplett frei. Und erst wenn dieser Prozess hunderte Male ausprobiert wurde, kommt dann stellt das Gehirn irgendwann die Verbindung zu den Beinen und Füßen her.
Der Fuß wird anfangs nur einige Millimeter bewegt, bis dann irgendwann ein kleiner Schritt folgt. Dabei müssen Balance und Gleichgewicht gehalten werden.
Wann du es ärztlich ansprechen solltest
Die allermeisten späten Läufer sind einfach späte Läufer. Diese Punkte gehören trotzdem bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung erwähnt:
- Dein Kind läuft mit 18 Monaten noch nicht frei.
- Es verliert bereits erworbene Fähigkeiten wieder.
- Es benutzt konsequent nur eine Körperseite oder zieht ein Bein nach.
- Es wirkt auffallend schlaff oder dauerhaft sehr steif.
- Es läuft fast ausschließlich auf Zehenspitzen, über Monate hinweg.
Das sind Anlässe für ein Gespräch, keine Diagnosen.
Und danach?
Sobald dein Kind läuft, geht es weiter: Treppen, Rennen, Klettern, Springen. Ideen, die genau das unterstützen und wenig Material brauchen, haben wir unter Bewegungsspiele für Kleinkinder gesammelt. Und wie wir den ersten Geburtstag erlebt haben – meist ziemlich genau in dieser Phase –, steht an anderer Stelle.
Wie haben deine Kinder laufen gelernt? Wann haben sie die ersten Schritte gemacht?
Foto: Halfpoint / iStockfoto
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Häufige Fragen
Wann lernen Kinder laufen?
Die normale Spanne ist weit: Manche Kinder machen ihre ersten freien Schritte mit 9 bis 10 Monaten, andere erst mit 16 oder 17 Monaten. Beides ist unauffällig. Unsere beiden Söhne haben rund um den ersten Geburtstag angefangen. Wichtiger als der Zeitpunkt ist, dass die Entwicklung insgesamt voranschreitet – also robben, krabbeln, hochziehen, freies Stehen.
Ab wann sollte ich es abklären lassen, wenn mein Kind noch nicht läuft?
Wenn dein Kind mit 18 Monaten noch nicht frei läuft, sprich es ärztlich an. Das ist keine Alarmgrenze, sondern der Zeitpunkt, an dem einmal jemand draufschauen sollte. Früher zum Arzt gehst du, wenn dein Kind bereits erworbene Fähigkeiten wieder verliert, wenn es konsequent nur eine Körperseite benutzt oder auffallend schlaff oder steif wirkt.
Sind Lauflernhilfen und Gehfrei sinnvoll?
Nein. Geräte, in die ein Baby hineingesetzt oder hineingehängt wird und mit denen es sich rollend fortbewegt – oft Gehfrei oder Babywalker genannt – gelten als problematisch: Sie erlauben Tempo, das ein Kind nicht beherrscht, führen zu vielen Unfällen und fördern eine unnatürliche Haltung. Etwas anderes ist ein Lauflernwagen zum Schieben, den ein Kind im Stehen vor sich herschiebt. Der ist unbedenklich, wenn er stabil steht und sich in der Rollgeschwindigkeit bremsen lässt.
Braucht mein Kind Schuhe für die ersten Schritte?
Drinnen nicht. Barfuß ist die beste Lösung, weil Bänder und Muskeln rund um das Sprunggelenk dabei natürlich trainiert werden. Wenn es kühl ist, sind rutschfeste Socken oder dünne Lederpuschen die richtige Wahl. Feste Schuhe braucht dein Kind erst, wenn es regelmäßig draußen auf unebenem oder kaltem Untergrund läuft.
Sind O-Beine bei Babys normal?
Ja, fast jedes Baby hat sie. Der Platz im Mutterleib ist begrenzt, und die platzsparende Haltung prägt die Beinstellung. Bei Laufanfängern bringen O-Beine sogar zusätzliche Stabilität. In der Regel verwächst sich das im Laufe der ersten Lebensjahre von allein.
Mein Kind läuft nur auf Zehenspitzen – ist das schlimm?
Am Anfang meistens nicht. Solange Sehnen und Bänder im Fußgelenk noch nicht durchtrainiert sind, üben viele Kinder eine Weile auf Zehenspitzen und gehen dann von allein zum flachen Fuß über. Hält die Phase deutlich länger an oder läuft dein Kind praktisch ausschließlich so, lass es ärztlich anschauen – je früher, desto besser lässt es sich behandeln.



