Ein Fingerspiel dauert eine halbe Minute und braucht nichts außer deinen Händen. Deshalb passt es in Momente, in denen sonst nichts geht: im Wartezimmer, an der Bushaltestelle, beim Abholen an der Krippentür oder abends, wenn dein Kind noch nicht schlafen will. Hier stehen zwölf Fingerspiele, sortiert nach genau diesen Situationen, jedes mit Text, Bewegung und einer Altersangabe.
Fünf davon sind überlieferte Kinderreime, die du vielleicht noch aus der eigenen Kindheit kennst. Die anderen sieben haben wir für diesen Artikel geschrieben, damit es für jede Situation passende gibt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zwölf Fingerspiele in vier Gruppen: Krippe, Wartezeit, Einschlafen und drei Klassiker.
- Jede Situation braucht ein anderes Tempo: In der Krippe darf es laut und groß sein, im Wartezimmer leise und klein, beim Einschlafen langsam.
- Schon Babys haben Spaß daran, wenn deine Finger über ihren Arm krabbeln. Einzelne Finger selbst bewegen können Kinder meist mit zwei bis drei Jahren.
- Wiederholung ist der Trick: Kinder wollen dasselbe Spiel oft hören, bis sie mitsprechen können.
- Du brauchst kein Material, nur den Text im Kopf.
Wozu Fingerspiele taugen und wie du sie einsetzt
Ein Fingerspiel verbindet einen kurzen Reim mit einer Bewegung der Finger oder Hände. Du sprichst, deine Hände spielen die Geschichte vor, und dein Kind schaut zu, bis es selbst mitmacht. Dabei passiert eine Menge nebenbei: Dein Kind hört Reim und Rhythmus, lernt neue Wörter im Zusammenhang und übt, Finger einzeln zu bewegen. Vor allem aber seid ihr für einen Moment ganz beieinander, mit Blickkontakt und ohne Ablenkung.
Damit das klappt, helfen drei Dinge:
- Kenn den Text auswendig. Wer abliest, schaut aufs Handy statt aufs Kind. Fang mit einem oder zwei Spielen an und nimm ein neues erst dazu, wenn die alten sitzen.
- Achte auf dein Kind. Lacht es, schaut es gebannt auf deine Hände, will es noch mal? Dann weiter. Dreht es sich weg, hör auf. Ein Fingerspiel ist ein Angebot, keine Übung.
- Wiederhole. Kleine Kinder wollen dasselbe Spiel zehnmal hintereinander. Das langweilt sie nicht, denn über die Wiederholung lernen sie: Beim fünften Mal warten sie auf die Pointe, beim zwanzigsten sprechen sie das letzte Wort mit.
Fingerspiele sind der ruhige Gegenpol zu Bewegungsspielen für Kleinkinder, bei denen der ganze Körper mitmacht. Die Spiele unten sind nach der Situation sortiert, in der du sie brauchst. Die Altersangaben sind Richtwerte: Zuschauen kann auch ein jüngeres Kind, und viele Eltern spielen die Babyreime bis ins Kindergartenalter weiter.
Für die Krippe: Begrüßung und Abschied
Im Morgenkreis oder an der Garderobe darf ein Fingerspiel laut und groß sein. Die Gesten gehen meist über den ganzen Arm, damit auch Kinder mitkommen, die ihre Finger noch nicht einzeln steuern; bei „Fünf Finger sagen Hallo“ winken sie am Ende mit. Die ersten beiden eignen sich auch für zu Hause, um den Tag anzufangen; „Winke, winke“ macht den Abschied beim Abholen leichter.
1. Die Sonne geht auf (ab etwa 1 Jahr)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Die Sonne geht auf, | Arme langsam in einem großen Bogen nach oben führen |
| die Hände gehn rauf. | Hände über dem Kopf, Finger spreizen |
| Die Finger sagen: Guten Tag! | alle Finger wackeln lassen |
| Weil jeder jeden gerne mag. | sich gegenseitig zuwinken |
2. Fünf Finger sagen Hallo (ab etwa 2 Jahren)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Der Daumen sagt: Hallo! | Daumen hochstrecken und nicken lassen |
| Der Zeigefinger sagt: Ich bin froh! | Zeigefinger dazu |
| Der Mittelfinger ruft: Wie schön! | Mittelfinger dazu |
| Der Ringfinger: Lass uns spielen gehn! | Ringfinger dazu |
| Der Kleine flüstert: Ich bin auch da. | kleinen Finger dazu, ganz leise sprechen |
| Jetzt sind wir alle fünf beisammen, hurra! | ganze Hand öffnen und winken |
Kinder unter zwei strecken meist noch die ganze Hand statt einzelner Finger. Das macht nichts: Du führst die Finger vor, dein Kind winkt am Ende mit.
3. Winke, winke (ab etwa 1 Jahr)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Winke, winke, linke Hand, | mit der linken Hand winken |
| winke, winke, rechte Hand, | mit der rechten Hand winken |
| beide Hände winken sehr: | mit beiden Händen winken |
| Morgen kommen wir wieder her! | Hände an die Brust legen |
Für den Abschied beim Abholen funktioniert dieser Reim, weil er ein klares Ende hat. Sprich ihn an der Tür jeden Tag gleich, dann weiß dein Kind nach ein paar Wochen, was danach kommt.
Für die Wartezeit: Arzt, Bahn und Supermarkt
Im Wartezimmer oder in der Bahn soll das Spiel dein Kind beschäftigen, ohne dass alle mitschauen. Diese drei gehen im Flüsterton und auf engem Raum: auf dem Schoß, auf dem Oberschenkel oder auf dem Arm des Kindes. Keines endet mit Kitzeln, damit aus dem Kichern kein Kreischen wird.
4. Kommt ein Mann die Treppe rauf (ab etwa 1 Jahr)
Ein überlieferter Reim, den du am Kind selbst spielst.
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Kommt ein Mann die Treppe rauf, | zwei Finger krabbeln vom Handgelenk den Arm hinauf |
| klopft an, | sanft zweimal an die Stirn tippen |
| klingelt an, | vorsichtig am Ohrläppchen zupfen |
| Guten Tag, Herr Nasenmann! | zum Schluss die Nasenspitze antippen |
5. Regentropfen (ab etwa 2 Jahren)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Tipp, tipp, tapp, | mit den Fingerspitzen leise auf den Oberschenkel tippen |
| der Regen fällt herab. | Finger von oben nach unten „regnen“ lassen |
| Erst ganz leis aufs Knie, | nur mit einem Finger auf das Knie tippen |
| dann aufs Dach, hörst du sie? | mit allen Fingern auf den eigenen Kopf tippen |
| Jetzt ist der Regen vorbei, | Hände still in den Schoß legen |
| die Sonne kommt: eins, zwei, drei! | Hände langsam öffnen wie eine Sonne |
6. Eins, zwei, drei, vier, fünf (ab etwa 3 Jahren)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Eins, zwei, drei, vier, fünf, | die Finger der einen Hand einzeln antippen |
| die Finger ziehn sich Strümpf’. | über jeden Finger streichen, als zöge man einen Strumpf an |
| Sechs, sieben, acht, neun, zehn, | die Finger der anderen Hand antippen |
| jetzt wollen sie spazieren gehn. | alle zehn Finger über den Oberschenkel laufen lassen |
Nebenbei zählt dein Kind bis zehn, und das Fingerzählen, das es dabei übt, braucht es später beim Rechnen wieder.
Zum Einschlafen: leise und langsam
Abends soll das Fingerspiel runterbringen, nicht aufdrehen. Sprich leiser und langsamer als tagsüber, im Tempo einer Gute-Nacht-Geschichte, und lass am Ende die Hände ruhig liegen. Ein Fingerspiel kann ein fester Baustein im Abendritual werden, am besten immer an derselben Stelle, etwa nach dem Zähneputzen.
7. Himpelchen und Pimpelchen (ab etwa 2 Jahren)
Ein überlieferter Reim, den es in vielen Fassungen gibt. Himpelchen und Pimpelchen sind deine beiden Daumen.
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Himpelchen und Pimpelchen | beide Daumen hochstrecken |
| stiegen auf einen Berg. | Daumen abwechselnd nach oben „klettern“ lassen |
| Himpelchen war ein Heinzelmann | den einen Daumen wackeln lassen |
| und Pimpelchen ein Zwerg. | den anderen Daumen wackeln lassen |
| Sie blieben lange oben sitzen | Daumen oben ruhig halten |
| und wackelten mit den Zipfelmützen. | Daumenspitzen wackeln lassen |
| Doch nach fünfundsiebzig Wochen | Daumen langsam absenken |
| sind sie in den Berg gekrochen. | Daumen in den Fäusten verstecken |
| Schlafen da in guter Ruh, | Fäuste an die Wange legen |
| sei mal still und hör gut zu! | leise schnarchen |
Tagsüber hängen viele Kinder noch ein lautes „Aufwachen!“ an und lassen die Daumen aus den Fäusten springen. Am Abend lässt du das weg: Das Spiel endet beim Schnarchen, die Fäuste bleiben an der Wange liegen.
8. Die Finger gehen schlafen (ab etwa 2 Jahren)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Der Daumen ist müde, er legt sich hin. | Daumen in die Handfläche einklappen |
| Der Zeigefinger kuschelt sich an ihn. | Zeigefinger darüberlegen |
| Der Mittelfinger gähnt ganz breit, | Mittelfinger einklappen, dabei gähnen |
| der Ringfinger sagt: Es ist Zeit. | Ringfinger einklappen |
| Der Kleine schaut sich noch mal um, | kleinen Finger kurz hin und her drehen |
| dann schläft auch er, die Hand bleibt stumm. | kleinen Finger einklappen, die andere Hand wie eine Decke über die Faust legen |
Mit kleinen Kindern klappst du die Finger zuerst an der Hand deines Kindes ein, später macht es das selbst.
9. Der Mond kommt (ab dem Babyalter)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Langsam, langsam kommt der Mond, | mit der Hand einen großen, langsamen Bogen über dem Kind beschreiben |
| schaut, wo unser Kind hier wohnt. | Hand über dem Kind ruhig halten |
| Er streicht übers Haar ganz sacht | sanft übers Haar streichen |
| und flüstert leise: Gute Nacht. | Hand auf die Brust des Kindes legen und liegen lassen |
Dieses Spiel machst du am Kind. Deshalb passt es schon für Babys, die selbst noch nichts mitmachen können.
Klassiker für alle Fälle
Diese drei überlieferten Reime passen fast überall. Sie sind so verbreitet, dass Großeltern und Erzieherinnen sie oft auch kennen. Kommt dein Kind aus der Kita mit einer etwas anderen Fassung nach Hause, nimm die, dann klingt es überall gleich.
10. Das ist der Daumen (ab etwa 1 Jahr)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Das ist der Daumen, | den Daumen des Kindes antippen oder leicht wackeln |
| der schüttelt die Pflaumen, | Zeigefinger antippen |
| der hebt sie auf, | Mittelfinger antippen |
| der trägt sie nach Haus, | Ringfinger antippen |
| und der Kleine isst sie alle, alle auf! | kleinen Finger wackeln lassen |
Mit einem Einjährigen spielst du das an seiner Hand. Ab etwa drei Jahren kann dein Kind die Finger selbst der Reihe nach zeigen.
11. Zehn kleine Zappelmänner (ab etwa 2 Jahren)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Zehn kleine Zappelmänner zappeln hin und her, | alle zehn Finger nach links und rechts zappeln lassen |
| zehn kleinen Zappelmännern fällt das gar nicht schwer. | weiterzappeln |
| Zehn kleine Zappelmänner zappeln auf und nieder, | Hände nach oben und unten bewegen |
| zehn kleine Zappelmänner tun das immer wieder. | weiter auf und ab |
| Zehn kleine Zappelmänner zappeln rundherum, | Hände im Kreis drehen |
| zehn kleine Zappelmänner, die sind gar nicht dumm. | an die Stirn tippen |
| Zehn kleine Zappelmänner kriechen ins Versteck, | Hände hinter dem Rücken verstecken |
| zehn kleine Zappelmänner sind auf einmal weg! | kurz warten, dann die Hände wieder zeigen |
12. Kommt ein Mäuschen (ab dem Babyalter)
| Text | Bewegung |
|---|---|
| Kommt ein Mäuschen, | zwei Finger krabbeln über den Arm des Kindes |
| baut ein Häuschen. | in der Handfläche des Kindes kreisen |
| Kommt ein Mückchen, | mit einem Finger über den Arm „fliegen“ |
| baut ein Brückchen. | mit Daumen und Zeigefinger eine Brücke auf dem Arm bilden |
| Kommt ein Floh, | Finger hüpfen den Arm hinauf |
| der macht so! | unter dem Arm oder am Bauch kitzeln |
Das Kitzeln am Ende ist der Höhepunkt, deshalb passt dieser Reim eher tagsüber als vor dem Schlafen. Hört dein Kind am Tonfall schon vorher, dass es gleich kitzelt, und kichert los, ist das genau richtig.
Wenn dein Kind Reime und Rhythmus mag, kann die musikalische Früherziehung daran anknüpfen.
Unser Fazit
Für Fingerspiele musst du nichts einpacken, und sie funktionieren auch dann, wenn sonst gar nichts geht. Such dir für den Anfang ein Spiel für den Alltag aus, zum Beispiel „Winke, winke“ für das Abholen oder „Die Finger gehen schlafen“ für den Abend, und sprich es jeden Tag an derselben Stelle. Wenn dein Kind nach ein paar Wochen das letzte Wort mitspricht, kommt das nächste dazu.
Häufige Fragen
Was versteht man unter Fingerspielen?
Ein Fingerspiel ist ein kurzer Reim, den du sprichst, während deine Finger oder Hände dazu etwas vorführen: Sie laufen, winken, verstecken sich oder schlafen ein. Das Kind schaut zu, hört den Rhythmus und macht mit, sobald es kann. Material brauchst du keins.
Welche bekannten Fingerspiele gibt es?
Zu den bekanntesten gehören „Das ist der Daumen“, „Himpelchen und Pimpelchen“, „Zehn kleine Zappelmänner“, „Kommt ein Mann die Treppe rauf“ und „Kommt ein Mäuschen“. Alle fünf sind überlieferte Kinderreime, die es in vielen leicht abweichenden Fassungen gibt. Text und Bewegung stehen weiter oben im Artikel.
Was ist „Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen“?
Einer der ältesten deutschen Fingerreime. Du tippst beim Sprechen einen Finger nach dem anderen an, vom Daumen bis zum kleinen Finger, und jeder Finger nach dem Daumen bekommt eine Aufgabe: schütteln, aufheben, nach Hause tragen, aufessen. Der kleine Finger isst zum Schluss alles auf, und genau darauf warten die Kinder.
Welche Fingerspiele gibt es mit Text?
Alle zwölf Spiele in diesem Artikel stehen mit vollständigem Text und der passenden Bewegung zu jeder Zeile da. Fünf davon sind überlieferte Kinderreime, sieben haben wir für diesen Artikel geschrieben.
Ab welchem Alter sind Fingerspiele geeignet?
Schon mit Babys: Reime wie „Kommt ein Mäuschen“, bei denen deine Finger über den Arm des Kindes krabbeln, funktionieren im ersten Lebensjahr. Einfache Gesten wie Winken und Klatschen machen viele Kinder um den ersten Geburtstag mit. Einzelne Finger gezielt zu bewegen, fällt Kindern meist erst mit zwei bis drei Jahren leicht, Zählreime passen ab etwa drei.
Was tun, wenn mein Kind bei Fingerspielen nicht mitmacht?
Nichts erzwingen. Viele Kinder schauen wochenlang nur zu und machen dann plötzlich die ganze Bewegung mit. Sprich das Spiel weiter vor, wenn es Interesse zeigt, und hör auf, wenn es wegschaut oder weg will. Ein Spiel, das heute nicht zieht, klappt oft nach ein paar Tagen Pause.



