Fieber ist meist der Moment, in dem sich Eltern zum ersten Mal ernsthaft fragen, ob sie zu Hause bleiben oder losfahren sollen. Die gute Nachricht zuerst: In den allermeisten Fällen ist Fieber ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem arbeitet, nicht ein Notfall für sich. Dieser Leitfaden zeigt, wann du in Ruhe abwarten kannst, was bei den Hausmitteln wirklich etwas bringt, wie Fiebersaft sicher dosiert wird – und bei welchen Zeichen du nicht bis zum nächsten Tag wartest.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Fieber beginnt bei Kindern ab 38,5 °C, bei Babys unter drei Monaten gilt schon ab 38 °C sofortiger Abklärungsbedarf.
- Nicht jedes Fieber muss gesenkt werden. Entscheidend ist, wie es deinem Kind geht, nicht nur die Zahl auf dem Thermometer.
- Wadenwickel wirken nur bei warmen Händen und Füßen – bei Schüttelfrost oder kalten Extremitäten sind sie kontraproduktiv.
- Paracetamol und Ibuprofen werden nach Körpergewicht dosiert, laut Beipackzettel oder Rücksprache mit der Apotheke.
- ASS (Aspirin) ist für Kinder tabu – Risiko des lebensgefährlichen Reye-Syndroms.
Ab wann hat mein Kind Fieber?
Zwischen 37,5 und 38,5 °C spricht man von erhöhter Temperatur, ab 38,5 °C von Fieber. Gemessen wird am zuverlässigsten rektal – Stirn- und Ohrthermometer sind praktisch für die schnelle Kontrolle, aber ungenauer, besonders bei Babys.
Die Zahl allein sagt wenig aus. Ein Kind mit 39,2 °C, das noch trinkt und spielt, ist unauffälliger als eines mit 38,4 °C, das teilnahmslos wird. Beurteile deshalb immer beides zusammen: die Temperatur und wie dein Kind sich insgesamt verhält.
Wann zum Arzt oder Notarzt?
Für die meisten fiebernden Kinder reicht Beobachten zu Hause. Ärztlich abgeklärt werden sollte Fieber, wenn eine der folgenden Situationen zutrifft:
- Dein Kind ist unter drei Monate alt und hat 38 °C oder mehr
- Das Fieber hält länger als drei Tage an oder kommt nach fieberfreien Tagen zurück
- Dein Kind wirkt zunehmend teilnahmslos, trinkt kaum noch oder hat spürbar weniger nasse Windeln
- Zusätzlich treten Symptome wie Ohrenschmerzen, starker Husten, Atemnot oder Hautausschlag auf, die sich verschlimmern
- Du hast trotz aller Ruhe ein ungutes Gefühl – das ist als Grund für einen Arztbesuch völlig ausreichend
Die Notfall-Zeichen aus dem Kasten oben (Atemnot, Bewusstseinstrübung, Austrocknung, Fieberkrampf über fünf Minuten, Nackensteifigkeit) gehören dagegen sofort in die Notaufnahme oder per Notruf 112 versorgt, nicht in die Warteschleife der Praxis.
Fieber senken ohne Medikamente
Bevor Medikamente zum Einsatz kommen, helfen bei vielen Kindern einfachere Maßnahmen:
- Viel trinken. Der Flüssigkeitsverlust durch Fieber ist real, gerade bei kleinen Kindern. Wasser, verdünnte Schorle oder – bei Babys – häufigeres Stillen bzw. Fläschchen helfen, den Kreislauf stabil zu halten.
- Leichte, luftige Kleidung. Dick einpacken staut die Wärme zusätzlich. Ein dünner Body oder Schlafanzug reicht meist.
- Wadenwickel – aber nur zum richtigen Zeitpunkt. Lauwarme, nicht kalte Tücher um die Waden, jeweils rund zehn Minuten. Wichtig: Wadenwickel wirken nur, wenn dein Kind warme Hände und Füße hat. Bei Schüttelfrost oder kalten Extremitäten baut der Körper die Temperatur gerade erst auf – ein Wickel wäre dann eine zusätzliche Belastung statt einer Hilfe.
- Für Ruhe sorgen, ohne dein Kind zum Liegen zu zwingen. Kinder mit Fieber pendeln oft selbst zwischen Spielen und Ausruhen.
Reichen diese Maßnahmen nicht und leidet dein Kind sichtbar unter dem Fieber, ist der nächste Schritt ein fiebersenkendes Medikament.
Fiebersenkende Medikamente richtig einsetzen
Für Kinder zugelassen und in der Kinderheilkunde etabliert sind die Wirkstoffe Paracetamol und Ibuprofen – als Saft, Zäpfchen oder Tablette, je nach Alter und Vorliebe des Kindes.
Ein paar Punkte, auf die es ankommt:
- Dosierung nach Gewicht, nicht nach Alter. Die genaue Menge steht auf dem Beipackzettel des jeweiligen Präparats. Weil sich Konzentrationen zwischen Produkten unterscheiden, im Zweifel in der Apotheke nachfragen statt zu schätzen.
- Nicht auf eigene Faust kombinieren. Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel einzusetzen, sollte mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin abgesprochen sein, nicht auf eigene Faust erfolgen.
- ASS (Acetylsalicylsäure, z. B. Aspirin) ist für Kinder tabu. In Kombination mit bestimmten Virusinfektionen steht der Wirkstoff im Verdacht, das seltene, aber lebensgefährliche Reye-Syndrom auszulösen.
- Fiebersenker wirken für einige Stunden, nicht dauerhaft. Steigt die Temperatur danach wieder, ist das normal und kein Zeichen, dass etwas falsch gemacht wurde.
Fieberkrampf: Erkennen und richtig reagieren
Ein Fieberkrampf sieht dramatisch aus, ist aber in den allermeisten Fällen nicht lebensgefährlich und ohne bleibende Folgen. Er tritt vor allem zwischen sechs Monaten und fünf Jahren auf, oft beim schnellen Anstieg der Temperatur.
Im Krampf selbst: Ruhe bewahren, auf die Uhr schauen, dein Kind sicher hinlegen, damit es nicht fallen oder sich stoßen kann, nichts in den Mund stecken. Notruf 112, wenn der Krampf länger als fünf Minuten dauert, es der erste Krampf ist, er sich kurz danach wiederholt oder dein Kind hinterher nicht richtig wach wird. Auch ein kurzer, folgenloser Fieberkrampf gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt, um andere Ursachen auszuschließen.
Fieber bei Babys unter drei Monaten
Bei sehr kleinen Babys gilt eine strengere Regel als bei älteren Kindern: Jede Temperatur ab 38 °C gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt – unabhängig davon, wie fit dein Baby sonst wirkt. Der Grund: Das Immunsystem ist in diesem Alter noch kaum trainiert, und Infektionen können sich schneller ausbreiten als bei älteren Kindern. Was bei einem Dreijährigen ein harmloser Infekt ist, wird bei einem sechs Wochen alten Baby grundsätzlich ernster genommen.
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Häufige Fragen
Ab wie viel Grad ist es Fieber bei Kindern?
Ab 38,5 °C spricht man bei Kindern von Fieber, zwischen 37,5 und 38,5 °C von erhöhter Temperatur. Bei Säuglingen unter drei Monaten gilt eine strengere Grenze: Hier gehört jede Temperatur ab 38 °C noch am selben Tag ärztlich abgeklärt, weil kleine Babys Infektionen anders und schneller verlaufen können.
Muss ich Fieber bei meinem Kind immer senken?
Nein. Fieber ist die Reaktion des Körpers auf eine Infektion, keine Krankheit für sich. Solange dein Kind trotz erhöhter Temperatur trinkt, ansprechbar ist und sich nicht sichtlich quält, raten Kinderärzt:innen häufig, unter 39 °C erst einmal zu beobachten statt sofort zu senken.
Wadenwickel bei Fieber – wann helfen sie und wann nicht?
Wadenwickel können helfen, wenn dein Kind warme Hände und Füße hat und sich die Wärme spürbar staut. Bei kalten Händen, Füßen oder Schüttelfrost sind sie das Falsche: Der Körper baut die Temperatur gerade erst auf, ein kühlender Wickel wirkt dann wie eine Belastung statt einer Erleichterung und sollte in dem Moment nicht eingesetzt werden.
Wie dosiere ich Fiebersaft für mein Kind richtig?
Nach Körpergewicht, nicht nach Alter – die genaue Menge steht auf dem Beipackzettel des jeweiligen Präparats oder in der Dosiertabelle deiner Apotheke. Weil sich Wirkstoffkonzentrationen zwischen Produkten unterscheiden, lohnt sich im Zweifel ein kurzer Anruf in der Apotheke, statt eine Menge zu schätzen.
Was mache ich bei einem Fieberkrampf?
Ruhe bewahren, auf die Uhr schauen, das Kind sicher hinlegen, damit es nicht stürzen kann, und nichts in den Mund stecken. Notruf 112, wenn der Krampf länger als fünf Minuten dauert, es der erste Krampf ist, er sich kurz danach wiederholt oder dein Kind danach nicht richtig wach wird. Auch ein kurzer Fieberkrampf gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt.



