Wann lernen Kinder laufen? Babys erste Schritte

Wann lernen Kinder laufen? Babys erste Schritte

Jedes Kind lernt laufen – früher oder später. Vielleicht hast du schon mal den Spruch gehört: „spätestens wenn sie in die Schule gehen, laufen sie…“ 
Ja, dieser Satz hat einen Funken Wahrheit in sich.

Aber ab wann lernen Kinder laufen? Was ist früh und was bedeutet spät beim Laufen Lernen?

Meilenstein für Meilenstein schreitet das erste Lebensjahr deines Kindes in einem wahnsinnigen Tempo voran. Der Spruch, dass Kinder jeden Tag etwas Neues können, bekommt erst so richtig eine Bedeutung, wenn man dieses Phänomen an seinen eigenen Kindern miterleben kann. 

Das Laufen Lernen ist einer der elementarsten Entwicklungsschritte, mit dem dein Kind ganz neue Möglichkeiten in der Fortbewegung entdeckt. Dieser Meilenstein bedeutet gleichzeitig, dass dein Kind eine riesige koordinative Herausforderung erfolgreich gemeistert hat.

Ob Kinder früh oder spät laufen lernen, hat jedoch keinerlei Einfluss auf die weitere Entwicklung. Man sagt, dass Kinder, die spät laufen lernen, eher mit dem Sprechen beginnen. Das lässt die These zu, dass Babys nicht alle Fähigkeiten gleichzeitig entwickeln können, sondern alles in einer individuellen Reihenfolge erlernen.

Aber wann können Kinder eigentlich laufen? 

Der Zeitpunkt, wann dein Baby seine ersten Schritte machen wird, ist absolut individuell. Ebenso wie dein Kind selbst. Es gibt einige Kinder, oder gar Babys, die bereits zwischen dem 9. und 10. Monat ihre ersten Schritte machen. Andere wiederum lassen sich deutlich länger Zeit und beginnen erst mit 16. oder 17. Monaten zu laufen. 

Dr. Burkhard Lawrenz, Kinder- und Jugendarzt aus Arnsberg bestätigt, dass es kein Grund zur Sorge gibt, wenn dein Kind erst später Laufen lernt. Jede Entwicklung ist individuell und kann absolut nicht pauschalisiert werden. 

Lass dich von Erfahrungsberichten und Entwicklungstabellen im Netz nicht aus der Ruhe bringen, denn diese basieren alle nur auf Durchschnittswerten.

Fokussiere dich einfach auf die Fähigkeiten, die dein Kind schon kann, dies fördert ebenso das Selbstvertrauen deines Kindes. Jede Unsicherheit der Eltern wird auch unterbewusst auf die Kinder übertragen. Vergleiche es daher nicht mit anderen, gleichaltrigen Kindern. Jeder hat seine Stärken und Schwächen woanders. 

Was passiert, wenn Kinder zu früh laufen (können/wollen)? 

Grundsätzlich ist zu sagen: Alles was dein Kind von alleine macht, ist auch für die Muskulatur absolut okay. 

Wenn dein Kind sich also bereits mit 7 oder 8 Monaten überall hochzieht und kurz darauf die ersten Schritte versucht, dann ist es sein Entwicklungsweg. 

Achtung: Du solltest dieses Prozess allerdings nicht versuchen, durch einen Lauflernwagen, in den du das Baby „reinhängst“, zu fördern. Das weicht nämlich von dem natürlichen Lernprozess ab und kann zu bleibenden Schäden führen.

Kann ich das Laufenlernen unterstützen? 

Ja, aber nur indirekt, in dem du deinem Baby einen freie und sichere Umgebung anbietest, in der es sich ausprobieren kann. Ohne deine Hilfe. Es bedarf kein Elterntraining, an der Hand laufen oder ähnliches. 

Es gibt unterschiedliche Lauflernhilfen für Babys, die die Motorik & Koordination fördern. Lauflernwagen, bei denen man den Widerstand einstellen kann, können dein Kind beim laufen lernen spielerisch unterstützen.

Es ist ein menschliches Bedürfnis, sich generell aufrecht zu bewegen. Und dieses Ziel verfolgt dein Baby bereits ab Minute eins. Durch kräftiges Strampeln – übrigens schon im Mutterleib – trainiert es seine Muskeln und Bänder bereits. Aber dieses Training allein ist nicht ausreichend.

Das richtige, freie und flüssige Laufen lernen setzt ein intelligentes, hochkomplexes Zusammenspiel von Muskeln und Gehirn voraus. Laufen lernen bedeutet also richtig, richtig viel Übung.

Nehmen wir mal ein Beispiel aus der Technik: Roboter, die von hochqualifizierten Ingenieuren programmiert werden, laufen eher abgehackt. Es sieht nie so flüssig aus, wie bei uns Menschen. Dies spiegelt ebenfalls nochmal diese enorme Herausforderung wieder. 

Kinder machen im Schnitt 13.000 Schritte am Tag und fallen um die 100 mal hin. Selbstständiges Aufstehen, oder an Gegenständen Hochziehen, sind ein enorm wichtiger Baustein im Läuflern-Prozess. Auch das Erkunden von unterschiedlichen Untergründen gehört dazu.

Du kannst also dein Kind nur darin unterstützen, in dem du viel mit ihm rausgehst und es sich ausprobieren darf. 

Braucht mein Kind für die ersten Schritte Schuhe? Wenn ja, welche?

So lange es möglich ist, ist Barfußlaufen für dein Kind die allerbeste Lösung. So werden alle Bänder und Muskeln um das Sprunggelenk ganz natürlich trainiert und gleichmäßig belastet. 

Barfußlaufen ist aber nicht zu jeder Jahreszeit möglich und so wird über kurz oder lang auf das erste Paar Schuhe zurückgegriffen. Bevor jedoch feste Schuhe notwendig sind, sind Lederpuschen mit ganz dünnen Ledersohlen die viel bessere Alternative für dein Kind. Deswegen nennt man diese Schuhe auch gern Lauflernschuhe.

Fachpersonal in Schuhläden vertritt häufig noch die Meinung, dass kleine Kinderfüße gestützt werden müssen. Dem ist allerdings nach neuesten Studien nicht so. 

Barfußschuhe haben enorme Vorteile für die Gesundheit deines Kindes. Durch die super dünne Sohle haben die Kinder die Möglichkeit ihren Untergrund deutlich besser wahrzunehmen, weiterhin die Muskeln und Bänder zu stärken und trotzdem vor scharfkantigen Gegenständen geschützt zu sein. 

Muss ich auf eventuelle Fußfehlstellungen achten? 

Babyfüße sind in den ersten Monaten zuckersüß. Sie sehen meist klein, platt und speckig aus. Das liegt einfach daran, dass Babyfüßchen kaum entwickelt sind und zunächst nur aus Knorpeln bestehen, welche noch super weich und verformbar sind.

Auch wenn dein Baby bereits wie ein Weltmeister krabbelt, sehen seine Füße immer noch anders proportioniert aus, als ein ausgewachsener Fuß. Erst wenn dein Kind sich überall hochzieht, werden Längs- und Quergewölbe im Fuß entwickelt. 

Solange die Sehnen und Bänder im Fußgelenk noch nicht vollständig trainiert wurden, kann es sein, dass dein Kind anfangs häufig auf Zehenspitzen laufen übt. Bei den meisten Kindern ist das nur eine kurze Phase, bis sie wieder auf flachem Fuß weiterlaufen.

Hält diese Phase extrem lang an, dann spricht man von „Zehenspitzenläufern“. Hier solltest du einen Arzt aufsuchen, der sich das einmal anschaut. Je früher das erkannt wird desto besser kann es behandelt werden.

Erst um den 6. Geburtstag herum hat sich die optische Entwicklung des Fußes angepasst und gleicht dem eines Erwachsenen. Die endgültige Schuhgröße und somit die Verknöcherung des Fußes zieht sich bis in Jugendalter hin und ist bei Mädchen mit ca. 12/13 Jahren und bei Jungen mit ca. 14/15 Jahren abgeschlossen. 

Sind O-Beine bei Babys ein Grund zur Sorge? 

Nein, auf keinen Fall. Fast jedes Baby hat O-Beine. Dies liegt einfach daran, dass der Platz im Mutterleib begrenzt ist und das Baby so eine platzsparende Position einnehmen kann. 

Häufig haben O-Beine bei kleinen Laufanfängern auch einen Vorteil, da es zusätzliche Stabilität bringt. 

Im Laufe der Zeit verwachsen sich die O-Beine bei Babys dann in der Regel.

Fazit: Laufen lernen wird jedes Kind

Uns hat es sehr geholfen, nicht in die Vergleiche mit anderen Eltern einzusteigen. Unsere beiden Jungs haben rund um den ersten Geburtstag laufen gelernt.

Beide haben sich jedoch schon deutlich früher an Gegenständen oder am Tisch hochgezogen und sich hingestellt. Man glaubt gar nicht, wie viel Zeit vergeht, bis dein Kind den ersten richtigen Schritt wagt.

Das Hochziehen ist wirklich nur der Anfang. Als nächste stehen die Kinder dann einige Sekunden komplett frei. Und erst wenn dieser Prozess hunderte Male ausprobiert wurde, kommt dann stellt das Gehirn irgendwann die Verbindung zu den Beinen und Füßen her.

Der Fuß wird anfangs nur einige Millimeter bewegt, bis dann irgendwann ein kleiner Schritt folgt. Dabei müssen Balance und Gleichgewicht gehalten werden.

Wie haben deine Kinder laufen gelernt? Wann haben sie die ersten Schritte gemacht?

Foto: Halfpoint / iStockfoto

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